Skitour von Davos auf den Piz Palü

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Wie so oft an Ostern ist es auch im 2018. Wetterkapriolen werden vorausgesagt: Zuerst Föhn, dann der grosse Schnee im Süden. Was heisst das nun für unsere geplante Durchschreitung der Bernina-Gruppe mit Ski? Bereits einige Tage davor wird klar, wie geplant über Piz Palü, Piz Tschierva und Piz San Gian vom Berninapass bis nach St. Moritz werden wir unmöglich durchkommen. Vielleicht gibt es aber doch noch eine Möglichkeit irgendwann den schönsten Schnee- und Eisberg der Alpen zu besteigen, den Piz Palü. Am Donnerstag vormittags, nur gerade ein Tag bevor es losgehen soll, steht dann endlich unser Alternativplan fest.

Gletscher Ducan – traumhafte, lange Hänge mit feinstem Pulverschnee

Föhn steht am ersten Tag auf dem Programm. Das ist auch der Grund, warum wir zum Start unserer Haute Route in den Norden flüchten. Genauer gesagt nach Davos Monstein. Ein kleines, idyllisches Walserdorf im Süden der Landschaft Davos. Monstein ist Ausgangspunkt für einige der schönsten Skitouren in der Region. So auch der Gletscher Ducan.

Die Temperaturen im Tal sind noch ausserordentlich warm für die Jahreszeit während wir am Ende des Dorfs unsere Ski anschnallen. Über die Oberalp steigen wir auf bis zur Fanezfurgga. Kurz davor stehen wir plötzlich im White-Out. Alles ist weiss um uns herum für ein paar Minuten. Wenig später werden die Wolken vom Föhn wieder weggeblasen. Sobald wir die Ducanfurgga erreichen, stehen wir voll im Wind. Das fühlt sich an wie Gesichts-Peeling. Kaum um die Ecke und auf dem Gletscher ist es wieder fast windstill. Bald lässt sich erahnen, was uns hier auf der Abfahrt erwarten wird. Unberührte Powder-Hänge soweit das Auge reicht. Vor dem steilen Gipfelaufschwung müssen wir kapitulieren. Die Triebschneeansammlungen sind schlicht und einfach zu gross und das letzte Stück zu steil. Damit haben wir gerechnet und die Abfahrt ist deswegen nicht weniger gut. Nach kurzer Mittagsrast geniessen wir die fantastische Abfahrt über lange Hänge ins Sertigtal. Im Hotel Walserhuus verbringen wir unsere erste Nacht.

Vom Sertig über die Bergüner Furka auf die Kesch-Hütte

Ein Schechtwettertag soll uns heute bevorstehen. Unser Tagesziel ist die Keschhütte. Schon bald merken wir am Morgen, dass da irgendwas nicht stimmen kann. Die Wolken verziehen sich. So geniessen wir auf dem ganzen Aufstieg blauen Himmel und Sonnenschein. Staunend beobachten wir ein dutzend Rebhühner und ein paar Gämsen.  Das gibt es nicht jeden Tag zu sehen. Wetter sei dank, nehmen wir einen kleinen Umweg über die Bergüner Furka und sparen uns so das lange Tal zum Sertigpass. Auf der kurzen Abfahrt vorbei am Sertigpass ins Val Funtauna lässt uns Petrus etwas im Stich. Die Sichtverhältnisse sind verbesserungswürdig. Die letzte Stunde Aufstieg zur Keschhütte bringt uns nochmals ins Schwitzen. Das Klima ist tropisch.

In der Kesch Hütte werden wir von Ursina und Reto mit einem Salatbuffet gefolgt von einem Spaghetti-Buffet regelrecht verwöhnt.

Im Sturm über die Porta d’Es-cha ins Engadin

Sonntags ist es soweit. Im stockdichten Nebel verlassen wir die Hütte Richtung Piz Kesch. Der Gipfelerfolg ist sehr ungewiss. Nachts war es noch sternenklar und schon bald soll wieder die Sonne kommen. Wir sind zuversichtlich. Unter der Porta d’Es-cha machen wir eine kurze Rast im Windschatten. Nur wenige hundert Meter später müssen wir jedoch alle einsehen, dass ein Weitergehen hier jetzt keinen Sinn mehr macht. Im Schneesturm nehmen wir den Übergang über die Porta d’Es-cha in Angriff. Ein kleines Abenteuer bei diesen Witterungsbedingungen. Die gute Schneelage erlaubt uns das seitliche Abrutschen mit Ski am Fixseil. Schon sind wir wieder im Windschatten. Hier drückt auch mal die Sonne durch und wir geniessen prächtigen, richtig tiefen Pulverschnee bis zu Café und Crémeschnitte auf der Chamanna d’Es-cha.

Um uns eine gute Ausgangslage für den Piz Palü zu verschaffen fahren wir nach einer kurzen Stärkung weiter ab bis Madulain. Die RhB bringt uns über Pontresina bis zur Diavolezzabahn. Nachmittags strahlt hier bereits die Sonne um die Wette. Der Piz Palü steht in seiner weissen Pracht da. Unverspurt.

Piz Palü – die Skitour auf den schönsten Schnee- und Eisberg

Ein Traumtag steht bevor. Es ist sternenklar frühmorgens. Nach ausgiebigem Frühstück starten wir im ersten Tageslicht mit der holprigen Abfahrt auf den Persgletscher. Die ersten Sonnenstrahlen gehen am Piz Bernina auf. Das frühe Aufstehen hat sich nur schon deswegen gelohnt. Nun steigen wir gemächlich über den Gletscher auf, in den wilden Cambrena-Eisbrüchen gehen wir am Seil und staunen über die blauen Eistürme links und rechts von uns. Wir ziehen unsere Spur einsam über den Gletscher hoch und geniessen die Ruhe, bevor die schnellen Alpinisten mit der ersten Bahn kommen. Auf der Schulter deponieren wir unsere Ski. Mit Steigeisen an den Füssen und dem Eispickel in der Hand nehmen wir die letzten Meter zum Ostgipfel in Angriff. Strahlende Gesichter geniessen das wunderbare Panorama.

Die Schneeverhältnisse passen zu diesem Tag und tragen zu einem grossartigen Abschluss dieser viertägigen Tour über Ostern bei.

Ein grosses Dankeschön allen Beteiligten und Giancarlo Salis für die schönen Fotos.

 

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